Kirchenvertreter gegen Angriffe

Christen ermahnen die USA: Böses nicht mit Bösem vergelten

Eine Woche nach Beginn der britischen und US-amerikanischen Militärschläge gegen Afghanistan kritisieren immer mehr Kirchenvertreter das Bombardement.

FRANKFURT A. M., 14. Oktober (epd/kna/gb). Führende Kirchenvertreter haben am Wochenende in Züssow die Militärschläge gegen Afghanistan verurteilt und die Kirchen zu einem verstärkten Einsatz für den Frieden aufgerufen. Angesichts des Terrors dürfe nicht einer militärischen Rache das Wort geredet werden, sagte der Bischof der evangelischen Kirche der südafrikanischen Cape Oranje Provinz, Andreas Fortuin, bei der Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages mit der Pommerschen Evangelischen Kirche. Der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit sagte, der Einsatz von Gewalt gegen Afghanistan vergrößere die aktuellen Probleme, statt sie einer Lösung nahe zubringen.

Erstmals forderte ein Bischof der anglikanischen Staatskirche Englands ein sofortiges Ende der Angriffe auf Afghanistan. Man dürfe nicht "Böses mit Bösem bekämpfen", sagte der Bischof von Salisbury, David Stancliffe dem Sunday Telegraph.

Der Generalobere des Franziskanerordens, Giacomo Bini, rügte die Militärschläge der USA und Großbritanniens. Bini sagte, mit Gewalt werde stets nur weitere Gewalt erzeugt. Wenn das Recht auf Vergeltung zur allgemeinen Praxis werde, bewege sich die Menschheit geradewegs auf den Selbstmord zu.

Der katholische Militärbischof Walter Mixa forderte als Antwort auf die Terroranschläge in den USA "soziale und politische Gerechtigkeit gegenüber kleineren Völkern". Militärische Interventionen wie jetzt in Afghanistan kämen "nur als äußerstes Mittel" in Betracht, wenn die Abwehr eines Angriffes auf andere Weise nicht mehr möglich sei

Auch führende Vertreter der christlichen Kirchen Kanadas wendeten sich gegen die Militäraktion in Afghanistan. In einem Schreiben an alle Parlaments-Abgeordneten riefen sie dazu auf, die UN einzuschalten, um ein Mandat für eine multinationale Intervention zu erhalten. "Kanada soll auf eine Demilitarisierung des Kampfes gegen den Terror hinarbeiten", forderten sie weiter. Die Kirchenleute fürchten, dass die Militärangriffe, die bereits zu Vertreibung und Tod von Zivilisten geführt hätten, die Unterstützung in der Region, die für die Verfolgung der Terroristen notwendig sei, weiter schwächen.

 

[ document info ]
Copyright © Frankfurter Rundschau 2001
Dokument erstellt am 14.10.2001 um 21:23:08 Uhr
Erscheinungsdatum 15.10.2001