Ja, ABER! Wenn zwei das Gleiche tun, ist's nicht das Gleiche: Es geht hier wohl auch um's Prinzip! (Re: Kollateralschäden)


[ Follow Ups ] [ Post Followup ] [ WWWBoard ]

Posted by Tobias Werner on November 03, 2001 at 01:24:53:

In Reply to: Kollateralschäden posted by Bodo Rasler on November 02, 2001 at 23:09:58:

Wenn zwei das Gleiche tun, ist’s nicht das Gleiche,

Sehr geehrter Herr Rasler,

Da sie nicht auf meinen Beitrag eingegangen sind, möchte ich Teile davon hier nochmal ansprechen.

Beim Thema Kollateralschäden möchte ich hier mal auf die jüngsten Beiträge im Forum der Liberalen (www.liberale.de, Reihe der schmutzige Krieg gegen Afghanistan) verweisen (aber nicht bzw. weniger auf die meinigen). Genaugenommen sind bzw. wären aus dieser Sicht (wenigstens jetzt) wohl weitere Bodentruppen die bessere und fairere Variante, da hier wohl eine prinzipiell bessere Zielgenauigkeit auf militärische Ziele erreicht werden könnte.
Auch dort schrieb ich aber schon, dass es bei der Ablehnung des bisherigen US-Vorgehens doch nicht nur um die Frage der Kollateraltoten, sondern um eine verantwortliche und für alle nachvollziehbare Gesamtrisikoabschätzung gehen kann bzw. muss. Zu beweisen ist hier – angesichts der prinzipiellen Inkaufnahme der Tötung von Zivilisten, was wohl auch als ein Kriegsverbrechen angesehen werden kann bzw. muss – nicht nur, dass es im Falle des Fortbestandes des Taliban-Regimes – wie schon seit fast zehn Jahren - zu diversen schädlichen, auch tödlichen, Auswirkungen auf die afghanische Bevölkerung kommt, was ja auch durch das Embargo gegen den Irak geschieht, sondern, dass es durch die durchgeführten Maßnahmen am Ende weniger Tote und Schäden gibt, was aber nur durch die Herstellung einer langfristig tragenden, als gerechten, politischen Lösung für Afghanistan, offenbar aber auch den Nah-Ost-Konflikt insgesamt, gewährleistet werden kann. Und hier, also bei der Gesamtrisikobewertung und bei der Aufzeigung eines realistischen Nach-Taliban-Konzepts liegt m.E. eben der Hase (immer noch) im Pfeffer! Eine der wichtigsten Fragen ist dabei die, wie hoch das Risiko von Wiederholungs- und Nachahmertaten ohne und mit diesen Reaktionen einzuschätzen ist (- stand dazu auch schon was im Spiegel?)
Dass weitere Attentate in keinem Fall sicher auszuschließen sind, sieht man ja schon an den westlichen Anthrax-Nachahmern. Auch die Erfolgsaussichten und diplomatische Kollateralschäden durch die diversen Maßnahmen, müssten hier m.E. im einzelnen öffentlich wenigstens ein mal durchdiskutiert und abgewogen werden!
Ich kann Sie hier weiterhin nur auf den von mir beschriebenen Weg hinweisen, wo all diese Risiken klarer bestimmt werden könnten und wohl auch geringer ausfallen dürften. Es handelt sich bei diesem Terrorismus doch wohl nicht nur um ein paar verirrte religiöse Fanatiker, sondern um politisch und psychologisch sehr versierte Personen bzw. Kämpfer, mit wohl einigen Verbindungen und Sympathien zu verschiedenen arabischen Staaten bzw. Mitgliedern arabischer Eliten.

Wenn die UNO-Vollversammlung diese Aktionen beschlossen hätte und die UNO pro forma das Oberkommando (auch über die US-Truppen) übernehmen würde, würde die Aufregung und Gefährdung hier wie andernorts sicher wesentlich(!) geringer ausfallen als jetzt. Zumindest gäbe es dann keinen Grund für antiamerikanische Vorbehalte mehr. Auch Herr Genscher, sprach jetzt ja von der dringenden (bisher sogar vernachlässigten) Reformbedürftigkeit der globalen Sicherheitsstrukturen (s. Gespräch in der aktuelle Zeit) und der Notwendigkeit zur Abrüstung (also nicht - wei Bush - zur Aufrüstung). Nur sollte man dies (m.E.) schon bei der Bekämpfung dieses Falles jetzt im Rahmen der ja schon bestehenden Möglichkeiten in Angriff nehmen und praktizieren!
Wetten, dass die UN-Vollversammlung so ohne weiteres (wie bisher) keine weiteren derartigen Bombenangriffe auf Afghanistan gutheißen würde? Wetten, dass die Taliban Bin-Laden und Co dann auch freiwillig an ein internationales (!) Gericht ausliefern würden (so sie es, was ich vermute, überhaupt können)?
Also: Ihre Argumentation ist sicher nicht (direkt) falsch, sie muss nur in „dem richtigen“, also zumindest in größeren Zusammenhängen gesehen werden, sag ich hier mal so einfach - kann schon sein, dass sie darin trotzdem eine zentrale bzw. entscheidende Rolle spielt, man darf auch diesen Aspekt keinesfalls unterbewerten.
Zum Abschluss noch eine Nebenfrage: Soll die USA mit dieser bzw. ihrer Begründung dann auch gleich noch S. Hussein (bzw. seine Regime) wegbomben?

Mit freundlichem Gruß
Tobias Werner



Follow Ups:



Post a Followup

Name:
E-Mail:

Subject:

Comments:

Optional Link URL:
Link Title:
Optional Image URL:


[ Follow Ups ] [ Post Followup ] [ WWWBoard ]