Eine differenzierte Sichtweise


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Posted by Bodo Rasler on November 02, 2001 at 14:48:27:

Ich halte dies fuer einen interessanten Beitrag zum Thema.

Erstaunlich - und erfreulich - das es offensichtlich Gruene gibt, die NICHT NUR die USA beschuldigen.
Ich wuerde auch begruessen, wenn sich hier mal Islam-Wissenschaftler zum Unvermoegen des Islam aeussern wuerden, bisher KEINE Trennung zwischen Religion und Staat vorgenommen zu haben. Darin liegt auch - oder gerade - eine Ursache des Fanatismus.


INTERVIEW MIT ANTJE VOLLMER

"Wir führen faktisch
einen Krieg der
Kulturen"

Vollmer: Genau das führte zu jenem
anarchisch-chaotischen Machtgefälle,
das sich in dem anarchisch-chaotischen
Terror am 11. September ausdrückte. Wir
müssen dringend weg vom
Unilateralismus. Wenn wir Europäer nach
den Ursachen des Terrorismus fragen,
können wir uns nicht bequem
zurücklehnen und mit dem Finger auf die
USA zeigen. Wir haben ja nicht einmal
selbst einen handlungsfähigen Machtpol
zustande gebracht. Da ist Europa in der
Pflicht - und die Staaten des Islam müssen eine ernsthafte Chance
bekommen, auch darin, Religion und Politik rational zu trennen.

SPIEGEL ONLINE: Die Europäer stellen aber auch keine Einheit dar.
Und im Zweifelsfall verweisen sie lieber, wie im Nah-Ost-Konflikt, auf
die USA und verkriechen sich.

Vollmer: Das ist die alte europäische Krankheit, nie rechtzeitig das
welthistorisch Notwendige zu erkennen. Sie einigen sich zu spät, sie
entwickeln zu spät eine Vorstellung von ihrer eigenen Rolle und
verstecken sich gerne hinter den USA. Die Europäer laufen immer
noch in den alten Kostümen im neuen Konflikt herum.

SPIEGEL ONLINE: Das neue Kostüm sieht bisher aber nur nach
Kampfanzug aus.

Vollmer: Vom Strampler in den Kampfanzug. Das hat Tradition: Wer
politisch zu spät agiert, muss in der Regel überreagieren, vor lauter
Schreck, der Lage nicht gewachsen zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Befürworten Sie eine Feuerpause?

Vollmer: Ich bin eher dafür, dass unter Uno-Mandat Schutzzonen in
Afghanistan eingerichtet werden. Fast alle Grenzen sind dicht. Die
Aufnahmekapazität der Nachbarländer ist erschöpft. Diese Zonen
müssen allerdings mit massiver militärischer Präsenz gesichert
werden. In einem Konflikt, der keine klaren Fronten kennt, muss es
Rückzugsmöglichkeiten innerhalb des Landes geben, damit die
Zivilbevölkerung nicht zur Geisel des Krieges wird. Und wenn man es
dann noch schafft, statt Blauhelmen blaue Turbane zu stationieren,
die auch tatsächlich in der Lage sind, die Zone militärisch zu sichern,
wäre auch das ein Fortschritt. Die islamische Welt würde so einen
Beitrag zur Konfliktbewältigung aus sich selbst heraus schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Schröder hat gerade die IG Metall abgekanzelt,
weil diese eine Feuerpause forderte. Schily spottet über
Intellektuelle, weil sie sich gegen den Krieg aussprechen. Droht der
Politik jetzt die Arroganz der Macht oder nach der einmal erklärten
uneingeschränkten Solidarität ein, wie es die IG Metall als
Retourkutsche formulierte, "Kadavergehorsam gegenüber den USA"?

Vollmer: In der Zeit nach dem 11. September ist es für niemand
einfach, mit seiner Kritik oder Anfragen Gehör zu finden. Das liegt an
dem Druck und der teilweisen Hysterie. Trotzdem ist es notwendig, in
aller Ruhe nachzufragen. Da darf man nicht feige und nicht zimperlich
sein.

Nur eine Frage habe ich an Sie Frau Vollmer: wie stellen Sie sich vor, dass Blauturbane notfalls mit Gewallt die Schutzzonen gegen Schwarzturbane verteidigen?
Warum ist dieser Vorschlag nicht schon laengst aus 'moderaten' Arabischen Staaten gekommen? und selbst wenn, WANN meinen Sie, haetten die sich geeinigt und Taten wuerden folgen?


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