Auch Kriege sind internationaler Terrorismus - und: Bei der Beurteilung des politischen Terrorismus muss man Ziele und Methoden differenzierend und in ihrer Verhältnismäßgkeit betrachten!


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Posted by Tobias Werner on November 04, 2001 at 00:48:44:

Ein paar allgemeine Worte zum Terrorismus und seiner Bekämpfung im allgemeinen.
Auch der Krieg ist Terrorismus, wie dies ja auch in diesem Aufruf steht. Und offenbar gab es die gesamte Weltgeschichte hindurch Kriege und also auch Terrorismus (im weiteren Sinne.) Wenn man gegen den internationalen Terrorismus ist, muss man konsequenter Weise also auch gegen die Kriege sein!
Wenn man Kriege als Mittel der Politik akzeptiert, (es war ja doch ein Mechanismus der gesellschaftlichen Weiterentwicklung) so muss man auch dem politischen (internationalen) Terrorismus eine prinzipielle Funktion in der Weltgeschichte zugestehen (Raubritter, Fenstersturz zu Prag, und wohl noch einiges mehr) .
Sowohl der Terrorismus der Kriege, als auch der politische Terrorismus im engeren Sinne, bedarf (dann) aber einer differenzierten Betrachtung!
So ist es eben ein Unterschied, ob jemand nur Chaos stiften, oder sich selbst an die Macht bringen will, ob er nur Rache üben will, ob er das eigene Leben einsetzt, ob er Personen tötet, oder nur Gegenstände beschädigt, ob er nur eigene Forderungen vertritt, oder ob er (auch) allgemeine oder konkrete politische Forderungen eine größeren Menschengruppe vertritt. Auch blutige Revolutionen können ja als politischer Terrorismus angesehen werden.
Politische Forderungen wiederum können prinzipiell aber eben moralisch durchaus gerechtfertigt sein, man muss hier dann aber auch die terroristischen Taten als einer moralischen Bewertung unterziehen, vor allem wohl in ihrer Verhältnismäßigkeit zu den Zielen sehen.
Man neigt heute zunächst ja dazu, jedwede Terroristen von vornherein als die Bösen anzusehen, was aber keinesfalls automatisch der Fall ist. So kann der Attentäter gegen Hitler, also einen durch Wahlen legitimierten Staatsführer, doch trotzdem eine gute moralische Legitimation für diese Tat haben, selbst wenn dabei (wie beim Anschlag in München) unschuldige Menschen umkommen – hierüber kann und wird allerdings schon gestritten.
Auch im Falle Bin Ladens gibt es einige Indizien dafür, dass dieser durchaus auch (also sicher nicht nur) moralisch legitime Interessen vertreten könnte bzw. dürfte. Auch muss bzw. sollte man den Amerikanern hier nun von vornherein und ungeprüft hier auch keine Unschuld an den Zuständen in Afghanistan und anderswo einräumen, wenngleich sie gewiss nicht der alleinige Sündenbock für alles Übel der Welt sind! Zum Problem des Antiamerikanismus habe ich ja schon in meinem ersten Beitrag in diesem Forum ja schon geschrieben, es gibt dafür heute also durchaus manch gute Gründe. (Ich verstehe mich weder als Anti- noch als „Proamerikaner“).
Zu ergänzen wäre hier noch, dass Völker, die noch keinen Staat haben (wie Palästinenser oder Kurden), sich eben auch nicht militärisch gegen andere Staaten adäquat zur Wehr setzen können und andererseits auch nur beschränkte Mittel zur Gewährleistung der inneren Sicherheit haben.
Des weiteren kann die Legitimation der internationalen Organisationen und der Nationalstaaten durchaus fragwürdig sein (sogar der demokratischen, z.B. bei Wahlbeteiligungen unter 50 Prozent und Korruption und Vetternwirtschaft ). Auch die griechischen Stadtstaaten haben sich ja irgendwann einmal in höheren und bessere Strukturen aufgelöst...
All dies könnte und dürfte sicher nur schwerlich durch ein Gericht der USA ausreichend berücksichtigt und bewertet werden. Wenn die Terroranschläge nun als Grund für einen Krieg genommen werden, so muss dies von der UNO extra und ausdrücklich befürwortet werden, am besten von der Vollversammlung, meine ich.

Tobias Werner



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